Am ersten Juniwochenende machte sich eine Gruppe unerschrockener und motivierter Kletterer auf in den heimischen Kletterpark, unseren Ith. Erfahrungsgemäß kann man im Juni gutes Wetter erwarten, aber ein Tiefdruckgebiet hatte Niederschlag und feuchte Witterung in den Höhenzug gedrückt. Also hieß es, sich entsprechend auszurüsten und eventuell auch unter den Helm eine Mütze zu ziehen. Feuchter Fels stellt erst einmal kein Hemmnis zum Klettern dar, allerdings leidet der Grip an den Füßen und auch die Hände müssen ab und zu an der Hose getrocknet werden. Zudem will man die am Boden liegenden Seile trocken halten und versuchen, keinen Waldboden in die Kletterrouten einzutragen. Die Anforderungen für die kleine Hamelner Gruppe unter Leitung der Trainer Ralf Buchtal und Michael Strohmeyer stiegen also ein wenig.
Alle hatten schon Routine im Klettern und Vorstieg in der Halle, überwiegend aber keine Felserfahrungen. In der Hamelner Halle und den Kletterhallen der Umgebung kann man alle Schwierigkeitsgrade klettern und immer wieder neue Routen entdecken. Aber am Fels wird der Sport erst in seiner ganzen Vielfältigkeit erfahrbar, wenn man Routen selbst finden und auschecken muss, nicht jeder Griff vorgegeben ist, Wetter und Witterung hinzukommen und die Länge der Route mit bis zu 25 Metern beeindruckender ist.
Im Kurs wurden den Teilnehmerinnen und Teilnehmern neben Techniken des Sicherns und Abseilens auch Kenntnisse zum Verhalten an unseren Felsen und natürlich auch ein wenig Klettertechnik vermittelt. Aber im Fokus steht das eigenständige Erschließen und Einhängen von Routen von „oben“, also vom Felskopf her. Dazu sollte dieser frei und nicht gesperrt sein und man selbst sicher oder gesichert zum Umlenker gelangen.
Ein Seil ist dann schnell über den vorhandenen Ring in einen Karabiner eingehängt und hoffentlich ohne Verknotung komplett nach unten geworfen, der Ruf „Seil!“ erschallt vor allem an der Hexenkanzel, dem wohl beliebtesten Kursfelsen im Ith. Auch wenn die Haken im Fels fest verklebt sind, werden sie bei jedem Einhängen eines Seiles überprüft und ggf. das Seil nochmals mit einem Karabiner und einer Bandschlinge oder einem Keil mit Expresse hintersichert. Dann kann es losgehen und etliche Klettermeter sind an guten Tagen möglich.
Aber auch, wenn das Wetter einmal nicht ganz mitspielt, sind an den wettergeschützten Felsen im Wald Touren und Technikschulung möglich, so z.B. am Probierstein. Dieser bietet viele kurze Einsteigerrouten und man ist immer in Sicht- und Rufweite. Ideal also für einen Kurs oder auch das Einrichten eines „Seilgeländers“, über das man sicher an den Kopf gelangt.
Wichtig ist grundsätzlich, dass das eigene Toprope unbedingt durch einen eigenen Karabiner umgelenkt wird und nicht durch den vorhandenen Sicherungsring. Diese Ringe sollen möglichst lange halten und nicht durch Topropen durchgeschleift werden. Also heißt es zum Abschluss des Klettertages, alles um- und abzubauen und zum gemütlichen Teil, dem Abseilen, überzugehen. Dazu sind eine Standplatzsicherung sowie eine Prusik als zusätzliche Seilbremse notwendig und die Handgriffe des Umbauens müssen mehrfach geübt werden.
Denn: Beim Abseilen am Felskopf ist man grundsätzlich allein und damit auf sich selbst gestellt. Hier darf nichts schiefgehen. Dann mit einem geeigneten Sicherungsgerät am Seil abwärts sausen und der Spaß ist schon vorüber.
Alle Kletternden waren nach den zwei Tagen gut geschult und motiviert, nun zukünftig auch in kleinen Gruppen oder Paaren sich an den heimischen Strukturen zu versuchen und neue Felsen mit dem Kletterführer zu erobern.
Michael Strohmeyer
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