Blick von der Zufallspitze zum Cevedale | © DAV Sektion Hameln

Bericht: Ausbildungswoche Hochtouren Marteller-Hütte

02.01.2026

Sonntagmorgen, 2.00 Uhr, in Hameln: Aufbruchstimmung für eine aufregende Hochtourenwoche in den Ortler-Alpen. 

Um 12 Uhr treffen wir unseren Tourenleiter Gerd am Parkplatz Hintermartell und steigen mit massenweise Proviant in den proppenvollen Rucksäcken zur traumhaft gelegenen Marteller Hütte auf. Die drei männlichen Aspiranten werden bereits nach wenigen Tagen Gerd zustimmen, dass die Massen an Riegeln, Nüssen und Unterhosen nun wirklich nicht erforderlich gewesen wären. Aber gut, auch so lässt sich ein Trainingseffekt erzielen...

Der Wetterbericht verspricht zunehmend besser werdendes Wetter und so steigen wir bereits am Montag zu unserem ersten Gletscherabenteuer, der Cima Marmotta, auf. Am Fuß des Hohenferners werden die Aspiranten in Anseiltechnik und Gehen auf Firn und Eis eingeweiht und schon geht es hoch auf den 3.346 m hohen Berg. Wenige Stunden später ist die Gruppe froh, den noch mit Schnee bedeckten Gipfel erreicht zu haben. Nach Rückkehr auf die Hütte wird weiter an der Orientierung und Wegefindung gefeilt und mittels Tourenbuch ein Plan für die anstehenden Bergabenteuer erstellt. Hüttenwirt Bruno verwöhnt die Gruppe abends mit einem 3-Gänge-Menü und den wohlverdienten Weißbieren.

Tag 2 verspricht erstmal traumhaft sonniges Bergwetter und führt die Gruppe über den Schranferner auf die 3.356 m hohe Dritte Veneziaspitze. Erstmal werden das ein oder andere Bein in den noch schneebedeckten Gletscherspalten versenkt und anschaulich verdeutlicht, warum es sinnvoll ist, als Seilschaft auf Gletschern unterwegs zu sein. Nach Rückkehr zum Gletscherfuß wird an den Gehtechniken mit Steigeisen (auch in steilem Gelände) gefeilt und der Einsatz der Eisschrauben erprobt.

Tag 3 bringt die Gruppe über den langgezogenen Zufallferner zu den Tre Canoni (3.275 m).

Mit der ein oder anderen Gruppe wird abends auf der Hütte der Tag Revue passieren gelassen und die Pläne für die Folgetage diskutiert. Dabei immer im Blick: die große Herausforderung der Zufallspitze (3.757 m). 

Tag 4: Am darauffolgenden Donnerstag bricht die Gruppe erneut früh auf, um die Rotspitze (3.033 m) zu besteigen. Ohne Gletscher und Schnee eine schöne Abwechslung mit ebenso fantastischer Aussicht. Nach früher Rückkehr verbringt die Gruppe den Nachmittag mit dem Trainieren der Spaltenbergung. Der Praxistest der Selbstrettung erfolgt kreativerweise am nahegelegenen Mast der Materialseilbahn der Hütte. So baumelt jeder der Aspiranten mindestens einmal mit Prusik- und Bandschlingen ausgestattet am Seilbahnmast gesichert durch einen Kollegen, der die Sicherung via Halbmastwurf erproben darf. So hat nicht nur die Gruppe ihren Spaß, sondern erheitert auch den ein oder anderen Hüttengast. 

An Tag 5 ist es nun endlich so weit. Die große Herausforderung Zufallspitze/Cevedale steht an. Die Gruppe bricht nach kurzem Frühstück in der Dämmerung um 5.45 Uhr in Richtung Fürkeleferner auf. Nach 3 Stunden erreichen wir den Grat, der uns weitere 600 Höhenmeter zum Gipfel bringen wird. Im letzten Teil werden Schneefelder gequert und die letzten Kletterstellen im I und II Schwierigkeitsgrad gemeistert. Glücklich und beeindruckt von Tour und Aussicht erreichen wir um 11.30 Uhr das Gipfelkreuz. Die Sicht reicht über die Dolomiten und die bekannten Gipfel im Alpenhauptkamm hinweg bis zum nahegelegenen Dreigestirn aus Ortler, Zebru und Königsspitze. Ein unglaubliches Erlebnis. Sicher und froh kommen wir am Nachmittag zurück zur Hütte und genießen ausgiebig unseren letzten Abend mit Bad in der Nähe gelegenen Lacke und dem ein oder anderen Kaltgetränk. 

Eine sehr erinnerungswürdige Ausbildungswoche mit fünf 3.000ern in fünf Tagen und unserem großartigen Tourleiter Gerd geht zu Ende. Vermutlich war es nicht unser letztes gemeinsames Abenteuer.

Jolane, Marian, Bengt & Lukas